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Rüdiger May im Interview zur Championship

Seit fast zehn Jahren misst sich Rüdiger regelmäßig mit Maylife-Mitgliedern im Ring. Vier bzw. sechs Runden à drei Minuten. Fast wie im richtigen Boxen - nur die dubiosen Typen mit blaugetönten Sonnenbrillen fehlen. Die Championship ist aus dem Club-Kalender nicht mehr wegzudenken. Was treibt Rüdiger an? Wie bereitet er sich vor? Maylife-Pressesprecher Marc Saha hat ihn gefragt.

Marc: Die Championship gibt es seit dem Maylife-Start 2006, also bald zehn Jahre. Was reizt Dich nach dieser langen Zeit immer wieder und immer noch, gegen Club-Mitglieder in den Ring zu steigen?

Rüdiger: Für mich ist jedes Mal auf's Neue eine Herausforderung, mich auf die unterschiedlichen Gegner einzustellen. Unterschiedliche Größe, unterschiedliches Gewicht, unterschiedliche Kondition, unterschiedliche Sparring-Erfahrung – ich muss mich von Kampf zu Kampf auf komplett verschiedene Gegner-Typen vorbereiten. Wenn ich zum Beispiel gegen unseren Rekord-Championship-Teilnehmer Chris gekämpft habe, einen sehr großen, sehr athletischen Typ mit großer Erfahrung und danach dann gegen eine zierliche Frau antrete, ist das auch für mich eine riesige Herausforderung, mich darauf einzustellen. Der Kampf gegen Chris ist seit einigen Championship-Saisons deshalb auch schon traditionell der Auftakt-Kampf, ohne dass am gleichen Abend noch weitere Fights folgen. Es ist jedes Mal eine Freude, wenn ich sehe, wie akribisch sich meine Gegner auf den Kampf vorbereiten, mit welchem Nervenkitzel das für sie verbunden ist. Je näher der Kampf rückt, desto angespannter sind viele von ihnen, speziell die Debütanten. Es ist ja auch mit dem ganzen Vorgeplänkel, den Zuschauern und der Ring-Atmosphäre und den verbalen Schlagabtäuschen manchmal nervenaufreibend. Aber was mich am meisten jedes Mal begeistert, sind die erleichterten Gesichter meiner Herausforderer nach dem Kampf. Vor allem, wenn sie sich durchbeißen mussten, weil sie vielleicht einen Niederschlag hingenommen haben und eine kurze Pause nehmen mussten, weil ich da mal die richtige Taste auf dem Rippenklavier gedrückt habe. Wenn sie dann kurz davor waren hinzuschmeißen und dann doch alles mobilisiert haben, um den Kampf über die Runden zu bringen. Das freut mich sehr für jeden meiner Herausforderer.

Marc: Bisher hat jeder die vier (bei Frauen) oder sechs (bei Männern) Runden überstanden, Ausnahme waren sehr wenige verletzungsbedingte Abbrüche. Und es ist kein Geheimnis: Jedes Mal erklärt Ringrichter Torsten am Ende Deinen Herausforderer zum Sieger. Wie schaffst Du es, Dich auf jeden Deiner Gegner so individuell einzustellen, dass er das Duell gewinnt und dennoch das Gefühl hat, an seine Grenzen gestoßen zu sein?

Rüdiger: Dadurch, dass ich alle meine Gegner selber trainiere und in den Trainings beobachte, weiß ich genau, wer vor mir steht. So kann ich auch die Schlaghärte genau dosieren. In manchen Fällen bremse ich dank Bizeps-Einsatz eine Gerade ab. Seitwärtshaken sind am schlechtesten zu dosieren, die versuche ich dann bei manchen Gegnern zu vermeiden. Das ist schon sehr anspruchsvoll für mich, weil ich natürlich niemanden ernsthaft verletzen will.

Möge die Macht mit Dir sein!

Marc: Du hast lange als Profi im Ring gestanden. Was ist der größte Unterschied zwischen Deinen Profi-Fights und den Championship-Duellen?

Rüdiger: Das ist klar der Faktor Zeit. Ich hatte nie in meiner Profi-Karriere so viel Zeit, mir zu überlegen, was ich tue oder nicht tue, wie in der Championship. Viele meiner Herausforderer sind derart stark mit koordinativen Fragen beschäftigt, was bei mir komplett flach fällt. Ich denke nicht mehr darüber nach, was ich zu tun habe und wie ich es zu tun habe. Das läuft völlig unterbewusst gesteuert ab. Meine Championship-Gegner sind ja eher später, manche erst im Erwachsenenleben, zum Boxen gekommen, die überlegen viel mehr im Kampf, weil ihnen bestimmte Abläufe gar nicht in Fleisch und Blut übergegangen sein können. Und der zweite große Unterschied: Ich bin dem Gegner so weit überlegen, dass ich den Kampf zu jeder Sekunde bestimme und somit auch die Dosis festlege, in der ich meinen Gegner attackiere.

Marc: An manchen Abenden musst Du vier Mal hintereinander „in die Bütt“ – wie veränderst Du vor der Championship Dein eigenes Training, um fit für vier Ring-Auftritte pro Abend zu sein?

Rüdiger: Ich mache dann mehr Partnertrainings und Sparrings mit meinen eigenen Profi-Boxern, um mir dann das berühmt-berüchtigte „Partnergefühl“ zu holen. Das geht dann meist sehr schnell, dass ich wieder in den „Wettkampf-Modus“ komme.

Spiel, Satz, Sieg!

Marc: Wie überraschend sind die Entwicklungen der Championship-Teilnehmer für Dich? Manche sind ja schon seit Jahren dabei.

Rüdiger: Teilweise sehr überraschend. Wenn ich manche beim Training beobachte, merke ich, dass sie sich große Gedanken machen und dann vieles am Ende im Kampf gegen mich umsetzen. Das finde ich sehr gut. Das effektivste Training für die Championship ist natürlich unser Hitman-Team (jeden zweiten Freitag im Monat um 20:00 Uhr). Da gehen wir detailliert Kampfsituationen durch – in Praxis und Theorie. Das macht sich in der Championship bezahlt. Grundsätzlich stelle ich fest, dass alle Championship-Teilnehmer selbstbewusster aus dem Kampf heraus kommen. Das strahlen sie auch aus. Es ist eine große Freude, dass sich die Championship nach zehn Jahren so dermaßen etabliert hat. Dass es immer genügend Herausforderer gibt, Wiederholungstäter genauso wie Newcomer. Das ist auch für mich als Trainer ein großer Gewinn, der unser Training auch für mich abwechslungsreich macht. Ein tolles Zeichen, dass wir mit unserem Konzept hier bei Maylife richtig liegen. 

Fotos: Ania Pospiech.